Schlechte Reaktion auf Sexismus-Skandal: Activision Blizzard wird sich nicht einig

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Partys und Arbeitsklima wie in Wolf of Wallstreet: Was cool klingt, endete für Activision Blizzard in einem Sexismus-Skandal und einer Klage. Die ungelenke Reaktion der Blizzard-Führungsebene gießt dabei nur noch mehr Öl ins Feuer.   

Was ist passiert? Activision Blizzard sieht sich noch immer der andauernden Sexismus-Debatte gegenüber: Mitarbeiterinnen werfen dem Spiele-Giganten vor, er schaffe eine Brutstätte für Sexismus und ein toxisches Arbeitsklima. Die Kalifornische Behörde DFEH ermittelte und klagt jetzt.

Darum steht Blizzard in harscher Kritik

Die Vorwürfe: Die kalifornische Behörde “California Department of Fair Employment and Housing” (kurz: DFEH) hat vor Kurzem eine Klage gegen Activision Blizzard eingereicht. Grund sind Anschuldigungen vieler Mitarbeiterinnen, die Blizzard folgendes vorwerfen:

  • Sexuelle Belästigung gehört zum Alltag.
  • Unfaire Bezahlung gegenüber männlichen Kollegen.
  • Bei Beschwerden müssen Betroffene eine Kündigung befürchten.
  • Die Führungsebene begünstige die Situation, indem sie Täter nur mündlich verwarnt, aber keine Konsequenzen zieht.

Nach zweijährigen Ermittlungen konnte die DFEH das und vieles mehr bestätigen: Unter anderem sollen einige Mitarbeiter auf den Toiletten Koks ziehen, mit Restalkohol zur Arbeit erscheinen und Teil einer Bill-Cosby-Chat-Gruppe sein. In dieser chatteten die Mitglieder darüber, dass sie “heiße Chicks in die Coz bringen” wollen. Damit ist das Hotelzimmer von Ex-Senior-Creative Alex Afrasiabi gemeint, das unter Kollegen gemeinhin als Cosby Suite bekannt war. Damit feiern sie einen Vergewaltiger und ahmen ihm nach.

Die Reaktion der Verantwortlichen auf den Skandal lässt sehr zu wünschen übrig. Es fehlt eine Einigkeit darüber, wie man sich am besten positionieren sollte.

So unterschiedlich geht Blizzard intern & extern mit dem Skandal um

So gibt sich Blizzard nach außen: Ein erstes Statement von Blizzard-Chef Allen Brack sorgte für noch mehr Zündstoff. In diesem beharrte er darauf, dass einige der Anschuldigungen über ein Jahrzehnt zurückliegen und andere völlig aus dem Zusammenhang gerissen seien.

Viel habe sich dank der Zusammenarbeit zwischen Blizzard und der DFEH in den letzten Jahren verbessert. Ganz einfach sei diese Kooperation aber nicht gewesen, bemängelt Brack. Die Behörde habe während der Zusammenarbeit keinerlei Auskunft über ihnen bekannte Problemen geben wollen.

Einprägsam bleiben die Worte “unverantwortliches Verhalten von unzurechnungsfähigen Bürokraten”, mit denen Brack die kalifornische Behörde und deren Vorgehen in seinem ersten Statement beschreibt.

Intern ein anderes Gesicht: Die Führung von Activision Blizzard gibt sich in ihrer Reaktion auf die Klage in der Öffentlichkeit hart und unnachgiebig. Doch im Inneren zeigen sie sich als verständnisvoll und gewillt sofortige Maßnahmen zu ergreifen.

Das zeigt zumindest eine interne E-Mail, die der bekannte Autor, Branchen-Insider und Journalist Jason Schreier veröffentlichte. In der steht zumindest Allen Brack seinen Mitarbeitern bei:

Persönlich habe ich viele Emotionen, die seit gestern hochkommen und ich weiß, ihr auch. Die Anschuldigungen und der Schmerz von ehemaligen und aktiven Mitarbeitern sind sehr beunruhigend. (…)

Es ist inakzeptabel, dass irgendjemand in der Firma belästigt oder diskriminiert wird.
Jeder sollte sich wohlfühlen, egal ob am Arbeitsplatz, der Blizzcon oder im Home-Office.
Es zeugt von Mut, dieses Verhalten zu melden und alle Vorwürfe werden von internen und (falls nötig) von externen Ermittlern untersucht.

Wir nehmen diese Anschuldigungen sehr ernst. Die könnt ihr vorbringen, ohne Angst vor Vergeltung zu haben.

Erinnern wir uns noch einmal an die Cosby Suite und Alex Afrasiabi: Der hatte Blizzard letztes Jahr (2020) aus freien Stücken verlassen — oder doch nicht? Mitnichten, denn Afrasiabi wurde wegen schwerer sexueller Belästigung gefeuert, zumindest behauptet das jetzt Allen Brack.

Nicht auf demselben Nenner: Nicht alle Führungspersonen von Blizzard wollen sich mit ihren Angestellten an denselben Tisch setzen. Chief Compliance Officer Fran Townsend behauptet in ihrer internen Mail, die DFEH würde ein völlig falsches und veraltetes Bild von Activision Blizzard nach draußen tragen. Ihr Karriereweg sei fair gewesen und sie sei mit Respekt behandelt worden — auch von den männlichen Kollegen.

Einsicht oder Mitgefühl mit den Opfern von sexueller Belästigung oder ungerechter Behandlung suchen wir in Frau Townsend’s E-Mail vergeblich.

Diese Reaktion erwarten wir von Blizzard

Der Umgang von Blizzard mit der Situation ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Tatsächlich scheint Blizzard schon vor Jahren Maßnahmen zur Verbesserung der Situation getroffen zu haben. Auch nach öffentlich werden der Umstände hat das niemand mitgeteilt — hätten sie lieber.

Die Informationen und Aussagen, die Blizzard-Chef Brack intern geteilt und getroffen hat, hätten wohl besser im ersten Statement landen sollen. Doch wie kam es überhaupt zu einer so ablehnenden Haltung, sowohl von Brack als auch Townsend?

In der Debatte oft ignoriert; die Perspektive und Sichtweise von Blizzard. Haben die Verantwortlichen wirklich so eng mit der Behörde zusammengearbeitet, wie sie behaupten? Haben sie wirklich kritische Maßnahmen getroffen? Was konnten sie umsetzen? Was verbessern? Und handelt die Behörde wirklich so ungerecht?

Ist Blizzards harsche Reaktion auf die Klage nur ein Ausbruch von Frustration über ungerechte Behandlung der Behörde gegenüber Blizzard? Darf man das überhaupt fragen? Besser noch: Ist es überhaupt notwendig das zu hinterfragen?

Das einzige, was für Blizzard jetzt im Vordergrund stehen sollte, ist das Schmieden eines handfesten Plans. Die Bedingungen für Betroffene müssen schnellstens verbessert werden.

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